„Nur für Sünder!“

Das steht im Eingangsbereich einer Hamburger Kirche. Und es ist ernst gemeint. Reingehen oder draußen bleiben? Auch unser Monatslied für Dezember sieht es so:

Mein Gott, dein hohes Fest des Lichtes
hat stets die Leidenden gemeint.
Und wer die Schrecken des Gerichtes
nicht als der Schuldigste beweint,
dem blieb dein Stern noch tief verhüllt
und deine Weihnacht unerfüllt.
(Jochen Klepper)

Wer eigene Schuld nicht einsieht und vor Gott und den Menschen zugibt, kann mit Gott und kann mit Weihnachten nicht wirklich etwas anfangen. Dass alle Menschen vor Gott gleich sind, ist auch eine Aussage über die dunklen Seiten unseres Lebens. Wir sind Sünderinnen und Sünder, nicht nur die anderen, deren Fehler man überdeutlich sieht, sondern ebenso jede und jeder selbst. Vor Gott verbietet es sich, das schön zu reden oder zu relativieren. Deswegen ist das helle Licht Gottes nicht nur anziehend. Alles wird darin sichtbar, auch die Schatten. Wie weiter?

Jesus hat mit seinem ganzen Leben deutlich gemacht, dass Gottes Liebe nicht dem schönen Schein gilt, sondern uns Menschen, wie wir sind. Er kam – nur für Sünder. Andere Menschen gibt es ja gar nicht! Und so hat er gelebt und gefeiert: Mit Hirten und Königen, mit Bibelschülern und Steuertricksern, mit Frauen, bei denen es bekannt war, dass sie nicht nur einem Mann treu waren und dass manchmal Geld für Sex floss und wahrscheinlich auch mit den Männern, die das ausnutzten und es gut verstecken konnten. Alles Sünder.

Und plötzlich merkte man, dass hinter der Schuld oft eine große Traurigkeit und Hilflosigkeit steckte, und eine Sehnsucht: Eigentlich möchte ich doch anders leben! Das Zusammensein mit Jesus gibt bis heute die Kraft, genau das auch zu versuchen. Anders leben – obwohl ich weiß, dass ich immer wieder schuldig werde. So leben wir als Sünder und Heilige zugleich im Licht der Liebe Gottes.

Und alle sind eingeladen, mitzufeiern! Pfarrerin Renate Kersten