Das Umweltbüro unserer Landeskirche regt Gemeinden an, dass Gemeinden sich mit den Anliegen der Fridays-for-Future-Bewegung solidarisieren. Wir Christinnen und Christen wissen, dass wir die Erde nicht uns verdanken. Alles, was wir sind und haben, kommt aus Gottes Hand. Verhaltensänderungen fallen uns genauso schwer wie anderen. Doch wir haben in unserer Tradition einen Schatz, der uns dabei hilft: Den Ruf Jesu zur Umkehr und den Brauch der Fastentage.

Den Ruf zur Umkehr verstand Luther so: „Als unser Herr und Meister Jesus Christus sagte:`Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen, wollte er, dass das ganze Leben der Glaubenden Buße sei.“ Menschen machen Fehler. Das ist kein Drama, sondern der Normalfall. Es scheint geradezu eingeplant. Also möglichst schnell weg vom Geschrei, wer woran wieviel Schuld trägt und wer nun aber dringend mal etwas tun müsste… und dass es eh viel zu spät sei – mag ja sein. Hilft aber nicht weiter.

Ob Gott uns auch diesmal noch eine Chance gibt? Wir wissen es nicht. Doch Schuldzuweisungen und Ausflüchte helfen definitiv nicht weiter. Wir haben das Maß verloren, beim Bauen und Heizen, beim Konsum, beim Reisen, in unserer ganzen Lebensweise. Es gibt da nichts zu beschönigen. Seit Jahrhunderten fasten Menschen, um ihr Maß wieder zu finden. Die altkirchlichen Fastentage, die aus dem Judentum stammen und in den orthodoxen und altorientalischen Kirchen bis heute von vielen gehalten werden, sind der Mittwoch und der Freitag. Eine aramäische Christin sagte, sie habe immer Schwierigkeiten gehabt, anderen diesen Brauch zu erklären, was da gegessen wird und was nicht. Das änderte sich erst, als das Wort „vegan“ auftauchte. Zweimal in der Woche vegan essen, so die Tradition. Nichts von Tieren, und natürlich nichts Süßes und keinen Alkohol. Außerdem gehört dazu, auf Rechthaberei zu verzichten und zu üben, um Entschuldigung zu bitten, wenn etwas vorgefallen ist. Fasten ist eine Übung darin, sich selbst zurückzunehmen und Gott und anderen Menschen mehr Raum zu geben.

Um das Maß zu finden, um zu überprüfen: Stimmen meine Gewohnheiten mit Gottes Willen überein? Mit Gottes Absicht, dass alle leben, und sich nicht die einen bereichern, während andere hungern. Dem Hunger Nachspüren. Ausprobieren, ob und wie es ohne Auto geht. Wichtigster Fastentag war immer der Freitag, weil er der Todestag Jesu ist. Jesus, so glauben wir, hat das Gleichgewicht von Himmel und Erde hergestellt, indem er sich mit den Gebrochenen solidarisierte, bis dahin dass er selbst gebrochen starb. Er ist auferstanden und lädt bis heute ein, dass wir unser Verhalten in guter Weise ändern. Denn Leben gibt es nur gemeinsam – für dich und mich, für Mensch und Tier, für Wasser, Erde und Luft.

Am 20. September tagt das Klimakabinett. Fridays for Future lädt auf die Straße ein. In vielen Kirchen wird gebetet: Für die Jugendlichen, für die Regierungen in aller Welt, für Menschen, deren Lebensräume schon unbewohnbar geworden sind, und für alle, die hart für die Bewahrung der Schöpfung arbeiten. Die Kirche in Wartenberg wird von 15.30 – 19 Uhr für Gebet und Gespräche geöffnet sein.

Renate Kersten

https://fridaysforfuture.de/allefuersklima/ https://www.ekbo.de/wir/umwelt-klimaschutz/themen-projekte/klimademonstration-2019.html